Diese Frage bekomme ich mindestens einmal die Woche: "Dario, sollen wir auf Google werben oder lieber auf Facebook und Instagram?" Und ehrlich gesagt ist die Frage selbst schon ein Teil des Problems. Denn es ist kein Entweder-oder, sondern eine Frage davon, wo dein Kunde gerade steht und wie viel Budget du hast.
In diesem Artikel zerlege ich beide Kanäle so, wie ich es auch in einem Erstgespräch mit einem Kunden machen würde: ohne Marketing-Geschwätz, mit echten Zahlen aus der Praxis und einer klaren Empfehlung, wann du was machst.
Der fundamentale Unterschied: Nachfrage abgreifen vs. Nachfrage erzeugen
Das ist der wichtigste Satz im ganzen Artikel, also merk ihn dir: Google Ads greift bestehende Nachfrage ab. Meta Ads erzeugt Nachfrage.
Wenn jemand bei Google "Heizung Notdienst Köln" eingibt, hat dieser Mensch ein akutes Problem und sucht aktiv nach einer Lösung. Du musst ihn von nichts überzeugen – du musst nur zur Stelle sein. Das ist Pull-Marketing.
Auf Instagram scrollt dagegen niemand mit der Absicht, deine Dienstleistung zu kaufen. Die Leute schauen Reels, gucken Fotos von Freunden und du unterbrichst diesen Flow mit deiner Anzeige. Das ist Push-Marketing. Du musst Aufmerksamkeit kapern und Bedarf wecken, der vorher nicht da war.
Daraus folgt fast alles andere. Ein Steuerberater, ein Schlüsseldienst, ein B2B-Software-Anbieter mit konkretem Suchvolumen – das schreit nach Google. Ein neues Lifestyle-Produkt, ein Online-Kurs, ein Restaurant mit schönem Ambiente – das funktioniert oft deutlich besser über Meta, weil hier das Visuelle und die Emotion verkaufen.
Was beide Kanäle in der Praxis kosten
Zahlen statt Bauchgefühl. Das sind Richtwerte, die wir bei Tutto Digital über verschiedene Branchen hinweg sehen – keine Garantie, aber eine ehrliche Orientierung:
- Google Ads, Klickpreise (CPC): Im Handwerk und lokalen Dienstleistungen oft 1,50–5 €. In hart umkämpften Bereichen wie Versicherungen, Anwälten oder B2B-Software auch mal 8–25 € pro Klick. Klingt brutal, rechnet sich aber, wenn ein Auftrag vierstellig ist.
- Meta Ads, Tausend-Kontakt-Preis (CPM): Meist 5–15 € pro 1.000 Einblendungen. Klicks sind oft günstiger als bei Google (0,30–2 €), aber die Klicks sind "kälter" – die Leute kaufen nicht beim ersten Kontakt.
- Sinnvolles Einstiegsbudget: Unter 1.000 € im Monat Mediabudget brauchst du bei beiden Kanälen gar nicht anzufangen, sonst sammelst du nie genug Daten, um zu optimieren. Realistisch sind 1.500–3.000 € pro Monat als Startpunkt, um in vier bis acht Wochen belastbare Erkenntnisse zu bekommen.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Fensterbauer aus dem Rheinland. Bei Google zahlt er pro Klick rund 4 €, braucht im Schnitt 30 Klicks für eine Anfrage – macht 120 € pro Lead. Bei einem durchschnittlichen Auftragswert von 8.000 € ist das ein No-Brainer. Auf Meta würde derselbe Mann sein Geld verbrennen, weil keiner spontan beim Reels-Scrollen neue Fenster bestellt.
Wann Google Ads die richtige Wahl ist
Google ist dein Kanal, wenn folgende Punkte zutreffen:
- Es gibt aktives Suchvolumen. Prüf das mit dem Keyword-Planner. Wenn niemand nach deinem Angebot sucht, kannst du auch keine Suchnachfrage abgreifen.
- Du löst ein konkretes, oft dringendes Problem. Rohrbruch, Steuererklärung, kaputtes Auto, Anwalt fürs Arbeitsrecht – hier suchen Leute aktiv.
- Dein Auftragswert ist hoch genug. Bei 8–25 € pro Klick brauchst du Margen, die das tragen.
- Du willst schnell Anfragen. Google liefert in der Regel schneller "warme" Leads, weil die Kaufabsicht schon da ist.
Unterschätzt wird dabei oft das Google-Such-Display- und das Local-Geschäft. Für lokale Dienstleister sind die Maps-Anzeigen und Local Services Ads häufig günstiger und stärker als die klassische Suchanzeige.
Wann Meta Ads (Facebook & Instagram) gewinnt
Meta spielt seine Stärke aus, wenn:
- Dein Produkt visuell ist oder Emotion transportiert. Mode, Einrichtung, Gastronomie, Fitness, Coaching, alles mit "Vorher-Nachher".
- Es (noch) wenig Suchvolumen gibt. Bei neuen Produkten oder Innovationen sucht keiner danach – du musst die Nachfrage erst schaffen.
- Du eine klare Zielgruppe visualisieren kannst. Metas Stärke war nie nur das Targeting, sondern heute vor allem der Algorithmus, der mit guten Creatives die richtigen Leute findet.
- Du auf Reichweite, Markenaufbau und Retargeting setzt. Niemand macht günstigeres Retargeting als Meta.
Ein Beispiel: Eine Kosmetikerin, die hochwertige Behandlungen anbietet. Bei Google sucht kaum jemand gezielt nach ihrer Nischenbehandlung. Über Instagram-Reels mit echten Ergebnissen und lokalem Targeting im Umkreis von 20 km füllte sie ihren Kalender für unter 15 € pro Buchungsanfrage. Google hätte hier mangels Suchvolumen kaum geliefert.
Die ehrliche Wahrheit: Die besten Ergebnisse kommen aus der Kombination
In der Realität ist die Frage "Google oder Meta" oft falsch gestellt. Die stärksten Setups, die wir bauen, nutzen beides – aber mit klaren Rollen.
Ein Funnel, der funktioniert, sieht häufig so aus: Meta erzeugt Aufmerksamkeit und füllt deine Zielgruppen-Pools (Website-Besucher, Video-Viewer). Google fängt die Leute ab, die durch deine Meta-Werbung oder anderswo neugierig geworden sind und jetzt aktiv nach deinem Namen oder deiner Kategorie suchen. Und das Retargeting auf beiden Kanälen holt die zurück, die nicht beim ersten Mal gekauft haben.
Wenn dein Budget aber begrenzt ist, gilt: Mach erst einen Kanal richtig, statt zwei halbherzig. Verteilst du 1.500 € auf beide Plattformen, bekommt keine genug Daten zum Lernen. Konzentrier dich auf den Kanal, der zu deiner Nachfrage-Situation passt – und skaliere den zweiten erst, wenn der erste profitabel läuft.
Die typischen Fehler, die Geld verbrennen
Egal welcher Kanal – diese Fehler sehe ich ständig:
- Kein vernünftiges Tracking. Wer nicht weiß, welche Anzeige welche Anfrage bringt, optimiert im Blindflug. Conversion-Tracking und ein sauberes Setup sind Pflicht, kein Nice-to-have.
- Werbung schicken, Website ignorieren. Die beste Anzeige bringt nichts, wenn die Landingpage langsam, unklar oder ohne Call-to-Action ist. Oft liegt das Problem nicht in den Ads, sondern dahinter.
- Zu früh aufgeben. Beide Plattformen brauchen eine Lernphase. Wer nach zehn Tagen panisch alles umstellt, zerstört genau den Lernprozess, der erst Ergebnisse bringt.
- Bei Meta auf schwache Creatives setzen. Heute entscheidet das Creative über Erfolg oder Misserfolg, nicht das Targeting. Ein langweiliges Stockfoto kostet dich bares Geld.
Häufige Fragen
Wie viel Budget brauche ich mindestens, um zu starten?
Realistisch sind 1.500–3.000 € Mediabudget pro Monat, um in vier bis acht Wochen belastbare Daten zu bekommen. Unter 1.000 € lohnt sich der Aufwand selten, weil die Plattformen nicht genug zum Lernen haben.
Wie schnell sehe ich Ergebnisse?
Google Ads liefert oft schneller "warme" Anfragen, weil die Kaufabsicht schon da ist – teils innerhalb weniger Tage. Meta braucht meist eine Lernphase von zwei bis vier Wochen, bis der Algorithmus die richtigen Leute findet.
Kann ich Ads auch selbst schalten oder brauche ich eine Agentur?
Starten kannst du selbst. Aber Tracking, Kontostruktur, Creatives und laufende Optimierung sind komplex – die meisten Unternehmer verbrennen am Anfang viel Geld durch vermeidbare Fehler. Eine Agentur lohnt sich spätestens, wenn das Budget vierstellig wird.
Was ist besser für lokale Dienstleister?
Für lokale Dienstleister mit konkretem Suchbedarf (Handwerk, Notdienste, Berater) ist Google meist die erste Wahl. Bei visuellen oder erklärungsbedürftigen Angeboten im lokalen Umkreis kann Meta mit lokalem Targeting aber sehr günstig Anfragen bringen.
Sollte ich beide Kanäle gleichzeitig nutzen?
Wenn das Budget reicht, ja – mit klaren Rollen: Meta für Aufmerksamkeit, Google fürs Abgreifen der Nachfrage. Bei knappem Budget machst du lieber einen Kanal richtig, statt zwei halbherzig.
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